Du Schlampe (Kurzgeschichte)

War es seine Einbildung, oder fühlte sich das Tablet wärmer in seiner Hand als, als es sollte? Alex rückte sich auf seinem orange gepolsterten Drehstuhl etwas zurecht, um seine Beine bequemer auf dem Tisch ablegen zu können. Seine graue Zipfelmütze, momentan der letzte Schrei, verruschte etwas, während er tiefer in der Lehne versank. Ja, er hatte es geschafft. Jung und reich. Zwar lag es nur daran, dass seine Eltern, welche bereits seit einigen Jahren tot waren, Ihm ein beträchtliches Vermögen hinterlassen hatten, welches er mit jedem Jahr schmälerte, doch das waren nur Details. Der teure Designertisch, die modernen Bilder, sein authentisches Motorrad aus den siebzigern, auf dem er immer noch nicht richtig fahren konnte, und sein Tablett der neuesten Generation waren Dinge, die er unbedingt benötigte. Für seine persönliche Entfaltung natürlich. Er strich sich mit der linken Hand über den Bartflaum, der unregelmäßig über seine viel zu weich geschnittenen Wangen wucherte. Wozu war Geld denn sonst da? Wie sollte er sich sonst selbst finden können, wenn er nicht für die Erfahrungen bezahlen konnte? Das wäre ja unmöglich! Ohne die paar läppischen Millionen müsste er ja arbeiten und hätte keine Zeit mehr gehabt für seine Töpferkurse, Atelierbesuche, die Bierbrauseminare, oder die ganzen sportlichen Aktivitäten, welche er leider immer sehr bald wieder an den Nagel hängte, da Sie sich nach kurzer Zeit nicht mehr wie seine Berufung anfühlten. Immerhin besaß er so eine Menge Andenken an seine aufregenden Erlebnisse. Wie das Kajak, die Profi-Filmausrüstung, das Rasiermesserset aus Damaststahl oder seine Sammlung lokal gebrauter Biere.
Ja, sein Leben war wirklich hart. Kein Wunder, dass er gerade einmal 72 Kilo auf seine 1,85 Meter wog. Immerhin voller Muskelmasse. Er konnte sogar seine Bauchmuskeln sehen, wie Sie sich gegen das Licht abzeichneten, wenn er vor dem Spiegel stand. Das kam sicherlich von seinem Training. Jeden zweiten oder dritten Tag lief er mindestens 20 Minuten auf der Tretmaschine, bevor er sich sein veganes Abendessen gönnte.
Unachtsam streichelten die Finger seiner freien Hand nun über eines der Löcher seiner künstlich gealterten Slimline Jeans. Gut, Sie hatte Ihn 700,00 Euro gekostet, was dem zehnfachen einer normalen Jeans entsprach, aber dafür saß Sie auch wie angegossen!
Wieder blickte er auf das Tablett, kontrollierte die diversen Foren. Die großen Revolutionen zu verpassen, welche er und seine Internetfreunde für die Welt bestritten, konnte er sich nicht leisten. Natürlich nur unter diversen Pseudonymen. Je nach Forum. Wie auch seine Internetfreunde RainbowHash, FiredancerX, HackAr, TriGen.
Jeden Tag gab es für Sie einen neuen Kampf zu bestreiten. Jeden Tag galt es, massiv jemand zu beschämen, der es wagte, eine Idee Ihrer Agendas zu kritisieren. Spinner und Irre, welche es bevorzugten, auf der falschen Seite der Geschichte zu stehen in den Boden zu stampfen. Nur manchmal war es einfach nicht möglich. Was sollte man auch tun, wenn derjenige keine soziale Präsenz auf Ihren Internetforen hatte? Teilweise trafen sich diese Leute nur in der analogen Welt. Real! Diese ewiggestrigen hatten wirklich den Strom der Zeit verpasst.
Immerhin sickterten öfters Ihre Treffen durch. Was es einfach machte, ein paar Leute im Forum zu mobilisieren, um diese Neandertaler auseinanderzutreiben. Seine schmalen Finger tippten auf den Bildschirm und wechselten in schneller Folge zwischen mehreren Apps für diverse Foren und Kurznachrichtendienste.
Wie er sich freute, wieder einmal Versager aufmischen zu können. Alle paar Tage schwang er seinen eichenhölzernen Icehockeyschläger durch die Luft, lies Ihn kreisen, sirren, bis es Ihm zu langweilig wurde. Sondermodell, ziemlich teuer, dafür aber auch aus dem besten Holz. American Hickoy oder so. Manchmal überkam es Ihn auch und er donnerte den Schläger gegen einige der Bäume in seinem Vorhof. Gab ja keinen, der sich beschweren konnte. Dafür war das Anwesen zu weit entfernt von der restlichen Siedlung.
Der klirrende Ton zerberstenden Glases lässt Ihm fast das Tablett aus der Hand rutschen. Es kommt von draussen. Wieder ein Knall, diesesmal metallisch. Metallisch? Sein Auto! Er hatte seinen frisch geleasten Sportwagen offen im Hof stehen lassen. Seine Finger schlossen sich um den umwickelten Griff seines Icehockeyschlägers.
Er war froh, ein so großes Anwesen zu haben. Über die über die Veranda nach draußen zu gehen war sicherer, als die Fronttüre zu benutzen, wo er ein einfaches Ziel gewesen wäre. Wieder krachte es, laut, knirschend. Vorsichtig spähte er um die Ecke. Seltsam. Nur ein Mann. Niemand schien versteckt, niemand abbestellt zum Schutz. Nur dieser eine junge Mann, mit dem leichten, schwarzen Rollkragenpullover. Sein volles, rabenschwarzes Haar, an den Seiten kurz geschnitten, in der Mitte etwas länger belassen wogte leicht, während er seinen Baseballschläger in einen der Scheinwerfer des Camaro krachen lies.
Alex war darauf gefasst, schnell zu flüchten, doch er hatte alle Vorteile in seiner Hand. So simpel. Den rechten Fuß leise nach vorne schiebend, wagte er ich aus der Deckung. Er würde diesem Typen die Abreibung seines Lebens verpassen. Genau in diesem Moment drehte der Unbekannte sich um.
Der Schläger des Fremden drehte sich sanft in seiner Hand und legte sich mit der Spitze gegen seine Schulter, während der höhnisch grinsend zu sprechen begann. Seine Schneidezähne blitzten hervor. Raubtierhaft. Gefährlich.
„Klingeln ist so unpersönlich, nicht wahr, Alexander? Ich dachte mir…“ der Schläger kreiste elegant von seiner Schulter, knallte fast beiläufig gegen den Radkasten und zog eine neue Schramme in den Lack.
„…so ist es viel interessanter. War übrigens garnicht so schwer, dich zu finden. Du hättest Proxyserver verwenden sollen. Deine Kumpels waren nicht so dumm wie du.“
Der Fremde schien durchtrainiert, doch, wurde Alex klar, war er auch etwas kleiner; vielleicht 1,80 Meter. Mehr Reichweite hatte er auch. Sein Kinn hob sich. Was interessierte es Ihn, dass der Typ seinen Namen kannte? Selbst der dümmste Einbrecher konnte das Namensschild am Eingang lesen. Das Adrenalin begann, sich in seinem Körper zu entfalten, vermischte sich mit dem Wissen, zu gewinnen.
Der Fremde hob beide Hände und zuckte leicht mit den Schultern. Sein Baseballschläger drehte sich dabei unnatürlich nach aussen.
„Machen wir es kurz, Alexander. Ich weiß, wer du bist und wofür du stehst. Also kann ich dich nicht leiden. Deswegen bringe ich dich um, nehme mir alles, was dir gehört und mache dann mit deinen Internetfreunden weiter.“
In dem Moment stürmte Alex los. Er wusste nicht was über Ihn kam, als er schrie „Du Schlampe!“.
Sein Hockeyschläger schwingt von rechts auf den Fremden zu. Dessen Handgelenk dreht sich, blockt den Hieb. Holz prallt auf Holz. Das helle ‚Kallak‘ des Aufpralls vibriert in seinen Händen. Er zieht den Schläger zurück, will erneut ausholen. Der Gegner macht einen Schritt, ist plötzlich so nahe. So schnell. Er will blocken, zu spät. Der Baseballschläger kracht gegen seinen Kopf.
Alles dreht. Alles wirbelt. Er spürt den Aufprall, kann nicht sagen ob er auf den Boden fällt, oder der Boden auf Ihn. Kein Schmerz. Alles ist dumpf. In der Ferne, Gras. Speichel rinnt Ihm aus dem Mundwinkel, doch er merkt es nicht. Die Welt nur noch ein unzusammenhängendes Gewirr aus Tönen, Farbe und Formen.
Verächtlich blickte der Gewinner auf den Mann, den er so einfach besiegen konnte. Er hatte mehr erwartet. Seine Schultern sanken leicht ab und seine Lippen verzogen sich verächtlich. Dann trat er Alex in die Seite. Keine Reaktion. Hatte er Ihn bereits getötet? So einfach, mit einem Schlag? Vorsichtig ging er neben Alex’s Kopf in die Hocke, betrachtete das Ihm zugewandte, starr ins Nichts blickende Auge. Blut sipperte an einer Stelle durch den Stoff der Mütze, zeigte, wo der Hieb mit Wucht gelandet war. Er zog Ihm die Mütze vom Kopf. Noch immer keine Reaktion. War es wirklich so einfach, einen Menschen zu töten?
Die Finger seiner rechten Hand fuhren in den kastanienfarbenen Haarschopf, zogen Alex daran hoch. Der Fremde senkte den Kopf und hielt sein Ohr nah an die speichelbefleckten Lippen. Ein zarter Hauch warmer Luft stieß Ihm entgegen. Wer hätte das gedacht, er atmet. Seine Finger liesen los und Alex’s Kopf knallte dumpf auf den Boden. Es wahr wohl Zeit für den finalen Schlag.
Aus der Hocke hochwippend, beugte er sich vor und nahm mit ein paar leichten Pendelbewegungen des Schlägers Maß. Irgendwie erinnerte es Ihn an Golf.
Er holt aus, hält inne und richtet sich auf. Den Baseballschläger in einer Hand zog er mit der anderen Hand ein altmodisches Handy aus seiner Tasche und wählte eine Nummer.
„Hi. Ja, ich bin’s, Luca. Wer denn sonst?… Nein, umgekippt wie ein nasser Sack. Ich wollte Ihm gerade den Rest geben. Da ist mir eingefallen, dass du doch eine Testperson brauchst… Ja, gern geschehen Rouven. Du ersparst mir, ein Loch für seine Leiche zu graben.“
Er pausierte kurz, lies den Blick über den leeren Gesichtsausdruck und die Reste des Speichels gleiten. „Aber erwarte nicht zu viel. Ich denke, sein Hirn ist jetzt ziemlich Matsch.“

Wenige Stunden später fuhr ein älterer Sedan mit abgedunkelten Fensterscheiben vor und parkte neben dem Eingang, wo Luca es sich bequem gemacht hatte. Gelangweilt sah er von dem Buch auf, welches er im Anwesen gefunden hatte, beobachtete den Mann mit den brünetten Haaren der gerade ausstieg. Sein langes Haar war mit viel Gel zurückgekämmt und glänzte fettig im Licht. Luc würde nie verstehen, wie jemand freiwillig steife Hemden und diese, wie er Sie nannte, Barristajäckchen trug. Immerhin verstand Rouven zumindest den Vorteil einer schwarzen Jeans gegenüber einer schwarzen Anzughose.
Alex zu bewachen hatte sich als sinnlos herausgestellt. Bereits kurz nach dem Telefonat war er entgültig bewusstlos geworden und lag mit geschlossenen Augen auf dem Rasen wie ein weggeworfenes Spielzeug.
Luca erzählte Ihm in wenigen Worten, was sich abgespielt hatte, bevor Sie zusammen den Körper zum Auto hieften. Um sich die Arbeit zu erleichtern schwangen Sie Ihn erst ein paar Mal hin und her, bevor Sie auf dem Scheitel der Bewegung losliesen und er von der Wucht des Wurfs getragen klangvoll in den geöffneten Kofferraum flog. Dabei schlug Alex’s Kopf zwar hart gegen den metallenen Kofferraumdeckel, aber es war unwahrscheinlich, noch mehr zu beschädigen, als bereits kaputt war.

Die nächsten Monate verbrachte Luca damit, die Bestandteile von Alex’s Vermögen mit gefälschten Unterschriften und geknackten Passwörtern zu liquidieren. Dankenswerterweise hatte der frühere Besitzer alle seine Passwörter schriftlich in einer Schublade hinterlassen. Wohl für den Fall, er würde selbst eines vergessen.
Das Geld, welches nun auf den gekaperten Konten auflief, begab sich wiederum auf eine Reise um den halben Globus, bis es nach 8 oder 9 Überweisungen und einer kurzen Abhebung in Eritrea auf einem von Luca’s Konten landete. Luca mochte Eritrea. Wo sonst gab es falsche Pässe so billig?
Das Anwesen hingegen behielt er. Irgendwie gefiel es Ihm. Es gab eine gute Basis ab, er musste nur zuerst den ganzen Müll entsorgen. Als die Kajaks, Sportutensilien, Souveniers und die Schrankwand voller alter Bierflaschen endlich auf der Mülldeponie gelandet waren wurde es richtig wohnlich.
Ab und zu meldete sich Rouven und erzählte von Fortschritten und langweiligen Dingen wie simuliertem Ertränken, elektrischen Schlägen, Injektionen und langen Tagen in kleinen Kisten. Eigentlich interessierte es Luca nicht, denoch lauschte er gelangweilt dem freudigen Geplapper von Rouven, um Ihn nicht zu kränken.

Kunstvoll schwang der hölzerne Schläger durch die Luft, sirrte hell bei jeder kreisenden Bewegung. Wieder trainierte Luca im Garten seines neuen Anwesens die Reflexe. Parrieren, kontern, antäuschen. Ausfallschritt links, rechts. Fallschritt vor, zuschlagen, Seitenwechsel, mit der Faust der anderen Hand nachsetzen. Sprung zurück. Distanz wahren, verkürzen, erweitern.
Der kernige, wummernde Sound eines V8 Motors drang über die Mauern an sein Ohr und erstarb. Zwei Autotüren knallten und kurz darauf vernahm er das quietschende Geräusch der Gartentür. Luca drehte sich um, und lächelte. Es gab nicht viele, die so laute Tröten als Auspuff an Ihren Wagen schraubten.
„Hi Rouven.“
Rouven hob die Unterarme und drehte dabei seine offenen Hände gen Himmel, als würde er etwas unsichtbares in Ihnen abwägen wollen. Elegant gekleidet, wie immer, trug er heute sein hellrotes Hemd am Kragen offen, was den sorgfältig gebundenen, schwarzen Ascott mit seinen lila Tupfen besser zur Geltung brachte. Hinter Ihm stand eine weitere Person, deren braunes, schulterlanges Haar gerade so über Rouvens Kopf spitzte. Sein Blick glitt hinab bis zu Rouvens hellbraunen Lederschuhe mit dem Schlangenmuster, während er die teils verdeckte Siluette hinter seinem Freund studierte. Jeder Teil Ihres Köpers schien darauf bedacht, sich möglichst klein und schmal hinter Ihm zu machen. Sie trug ein altmodisches, schwarzes Kleid mit kleinen Puffärmeln, dessen Rock bis zu den Knöcheln reichte, nur kurz an der Hüfte unterbrochen von einem dünnen, weißen Band, hinter dem Luca irritiert eine Schürze vermutete. Irgendwie passte es zu Rouvens seltsamen Geschmack. Im Kontrast dazu stachen Ihre schweren, schwarzen Stiefel fast schon obszön hervor. Er konnte Ihre Hände nicht sehen, da Sie Ihre Arme vor Ihrem Körper verschränkt zu haben schien, um sich schmaller zu machen hinter den Schultern jenes Mannes an dessen Rücken Sie wie ein Schatten hing.
„Hast du keine Angst, überrascht zu werden?“
Lucas Mundwinkel zogen sich spöttisch nach oben. „Nicht, wenn der Eindringling einen Wagen fährt, der laut genug röhrt, um noch den Bewohnern der nächsten Stadt einen Tinnitus zu bescheren.“
Sie besprachen kurz die wichtigsten Entdeckungen über die Verflechtungen Ihrer auserwählten Feinde und deren Sympathisanten, bevor Rouven sich wieder auf seine Experimente versteifte.
Luca hob seine rechte Hand kurz und unterbrach Ihn.
„Haben deine Erläuterungen einen Sinn für mich, oder soll ich es als deine Art betrachten, Danke zu sagen?“
Er reagierte verschnupft, und drehte seinen Arm leicht affektiert in der Luft, als würde er einen Gedanken einfangen.
„Findest du es nicht faszinierend, wie wenig nötig ist, damit jemand zerbricht? Der Punkt, an dem das starre Geflecht aus Erlebnissen, Vorlieben, Abneigungen, kindlichen Prägungen und persönlichen Ansichten amorphe Zustände annimmt und formbar wird wie erhitztes Wachs?“
„Dein Hobby, nicht meins.“
Seine Lippen verzogen sich leicht. „Schade. Dabei ist es so interessant, was uns von denen unterscheidet.“ Er dachte kurz nach. „Worauf ich eigentlich hinaus wollte, ist, dass ich sehr viel Wissen gewinnen konnte durch deine Spende. Deswegen…“ Er drehte sich leicht, griff nach hinten und zupfte am Ärmel der Frau, worauf diese aus seinem Schatten trat.
Den Kopf tief gesenkt fiel Ihr Haar weit in Ihr Gesicht, verdeckte Ihre Züge. Das weiße Band stellte sich tatsächlich als Teil einer altmodischen, weißen Bedienschürze heraus, welche sanft über dem Rock und Ihren adrett zusammengepressten Schenkeln ruhte. Ihre Arme wiederum presste Sie seltsam verkantet gegen Ihre Brust, als wäre es ein Verbrechen, den Kontakt zu verlieren. Während sich die Oberarme gegen Ihre Seiten schmiegten, waren Ihre Unterarme fest an sich gezogen, kreuzten sich knapp unter Ihrem Hals an Ihren Handgelenken, wobei der eine Unterarm fast senkrecht die Linie Ihres Halses bis zum Bund der Schürze verlängerte. Ihre Finger waren zu Fäusten geschlossen, doch er sah gleich, dass in Ihnen nicht die Spannung für einen Schlag ruhte. Eher sah es aus, als würde Sie sich nicht einmal trauen, Ihre Finger zu zeigen. Er überlegte kurz, ob diese Haltung mit bedingt war durch die eng geschnallten Ledermanschetten, welche Ihre Handgelenke verdeckten.
Roven unterbrach seinen Gedankengang, als er Sie ansprach. „Komm schon, heb dein dummes Köpfchen.“
Sie blickte auf und das schulterlange Haar viel zurück. Die Lippen Ihres schmalen Mundes stülpten sich verkniffen zu einem dünnen Strich nach innen, während Sie Luca mit großen, ängstlichen Augen ansah. Jeder Muskel unter der glatten Haut Ihres blassen Gesichts schrie lautlos die furchtvolle Erwartung von Schmerz hinaus.
„…dachte ich mir, es wäre ganz nett, jemand zu haben, der dir die lästigen Hausarbeiten abnimmt. Jetzt, wo du zum Großgrundbesitzer avanciert bist. Du musst Sie nur noch etwas… einweisen. Ich war vielleicht zu gründlich.“
Er wandte sich dem Mädchen zu. „Das ist der Mann von dem Foto. Du erinnerst dich?“
Sie nickte.
„Nun bist du sein Eigentum.“ Sie starrte Rouven bewegungslos mit leerem Blick an. „Das heißt, du gehörst Ihm.“
Ein kindliches Strahlen breitete sich über Ihr Gesicht, als hätte Ihr Leben endlich einen Sinn gefunden. Die Anspannung wich aus Ihrem Körper, und Ihre Hände rutschten übereinander und die äussere umschloss die Innere vor Ihrer flachen Brust. Bedächtig lösten sich Ihre zarten Lippen voneinander, wobei Luca auffiel, dass Ihr ein Eckzahn fehlte. Sie versuchte, zu sprechen, doch es dauerte einen Moment, bevor Ihre ungeübte Zunge ein einziges, zittriges Wort über die Lippen brachte.
„…Herr.“
Die Stimme war rauh und leise, ungeübt von der langen Zeit, in der Sie keine Verwendung dafür gehabt haben musste. Und etwas tiefer, als er es erwartet hatte.
Rouven lächelte. „Übrigens, Ihr Name ist Alexandra.“ Sein Grinsen wurde breiter, als er sah, wie die sich ausbreitende Erkenntnis Luca’s Züge entgleisen lies. „Nun ist er deine Schlampe.“

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